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Fine kniet mit Gießkanne am Fenster, Papa steht hinter ihr, unter der Erde im Topf lächelt der Kürbiskern Kalle

Gute-Nacht-Geschichte

Kalle, der Kürbiskern

  • ab 5 Jahren
  • ca. 5 Min. vorlesen
  • 6 Min. anhören
  • 16 Seiten
  • Papierkunst

Fine bringt einen Kürbiskern nach Hause und nennt ihn Kalle. Jeden Abend schaut sie nach, gießt, singt und leuchtet mit der Taschenlampe – doch die Erde bleibt Erde. Bis Fine nachsieht und entdeckt, dass Kalle längst wächst, nur ganz anders, als sie dachte.

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Die Geschichte zum Vorlesen

Fine hält am Küchentisch einen flachen weißen Kürbiskern, Papa breitet die Arme aus wie ein riesiger Kürbis
Seite 1

Fine hält einen Kern in der Hand, und der Kern tut gar nichts. Er ist flach und weiß und ziemlich langweilig. „Aus dem wird ein Kürbis“, sagt Papa. „Größer als du.“ Fine staunt. Sie nennt den Kern Kalle.

Fine drückt Erde in einen Tontopf, im aufgeschnittenen Topf gähnt der Kern Kalle unter der Erde
Seite 2

Fine bohrt mit dem Finger ein Loch in die Blumenerde. Kalle rein, Erde drauf, ein Schluck Wasser. Der Topf kommt aufs Fensterbrett. „Gute Nacht, Kalle“, flüstert Fine. Unter der Erde gähnt Kalle. Aber das sieht Fine nicht.

Fine stützt das Kinn aufs Fensterbrett und schaut mit Gießkanne auf einen Topf voll Erde
Seite 3

Am nächsten Abend schaut Fine nach. Nur Erde. Braune, langweilige Erde. „Kalle, Kalle, Kürbiskern, wächst du etwa gar nicht gern?“ Nichts. „Der hat bestimmt Durst“, beschließt Fine und holt die große Gießkanne.

Wasser läuft aus dem Topf, Papa hält lachend einen tropfenden Hausschuh hoch
Seite 4

Platsch! Platsch! PLATSCH! Das Wasser läuft über den Topf, übers Fensterbrett und genau in Papas Hausschuh. Papa hebt den tropfenden Schuh hoch. „Soll hier ein Kürbis wachsen“, fragt er, „oder ein Fisch?“

Fine steht auf einem Hocker vor dem Fenster und singt den Blumentopf an
Seite 5

Am dritten Abend ist immer noch nichts zu sehen. „Kalle, Kalle, Kürbiskern, wächst du etwa gar nicht gern?“ Vielleicht ist ihm langweilig, denkt Fine. Pflanzen mögen Musik, das weiß doch jeder. Sie stellt sich vor den Topf und singt.

Fine singt und tanzt im Zimmer, Papa hält sich in der Tür lachend die Ohren zu
Seite 6

„Wachse, wachse, Kürbis-Kalle, werde größer als wir alle!“ Fine singt laut. Fine singt lauter. Papa hält sich die Ohren zu und summt trotzdem mit. Die Erde bleibt still. Unter der Erde schnarcht Kalle.

Fine leuchtet nachts mit einer gelben Taschenlampe in den Blumentopf
Seite 7

Am vierten Abend hat Fine einen Verdacht. „Da unten ist es stockdunkel“, sagt sie. „Wie soll Kalle den Weg nach oben finden?“ Sie holt ihre Taschenlampe und leuchtet in den Topf. Die ganze Nacht lang will sie leuchten.

Papa trägt die schlafende Fine ins Bett, die Taschenlampe leuchtet noch auf den Topf
Seite 8

Später schaut Papa noch einmal nach Fine. Das Bett ist leer. Fine schläft am Fenster, den Kopf neben dem Topf, die Taschenlampe noch an. Papa trägt sie leise ins Bett. Die Erde ist immer noch Erde.

Fine sitzt wütend vor dem Topf und hält einen Teelöffel über die Erde
Seite 9

Am fünften Abend ist Fine wütend. „Kalle ist kaputt!“, ruft sie. „Ich hab gegossen. Ich hab gesungen. Ich hab geleuchtet. Und er macht NICHTS!“ Sie holt einen Teelöffel. „Ich guck jetzt nach.“ Ganz vorsichtig schiebt sie die Erde weg.

Der Kern Kalle liegt auf der Erde, an seiner Spitze wächst eine dünne weiße Wurzel
Seite 10

Da liegt Kalle. Er ist dicker geworden. Und unten an seiner Spitze wächst ein winziges weißes Schwänzchen. Es zeigt nach unten, tief in die Erde. „Papa!“, flüstert Fine. „Kalle wächst ja. Aber verkehrt herum!“

Papa und Fine knien vor dem Topf, Fine deckt den Kern wieder mit Erde zu
Seite 11

Papa kniet sich neben sie. „Das ist seine Wurzel“, sagt er. „Die kommt immer zuerst. Damit hält er sich fest und trinkt.“ Fine legt Kalle zurück und deckt ihn zu wie mit einer Bettdecke. „Du brauchst nur Zeit, was?“

Fine steht am Türrahmen, Papa zeichnet einen Strich über ihrem Kopf
Seite 12

Dann hat Fine eine Idee. Sie stellt sich ganz gerade an den Türrahmen, und Papa macht einen Strich über ihrem Kopf. „Wettwachsen“, sagt Fine. „Kinder wachsen nämlich im Schlaf.“ „Ich auch?“, fragt Papa. „Du nur noch in die Breite.“

Papa sitzt an Fines Bett und singt leise, der Topf steht auf dem dunklen Fensterbrett
Seite 13

Jetzt geht alles ganz langsam. Ein winziger Schluck Wasser für Kalle. Ein leises Lied für Fine. Papa deckt sie zu. Das Fenster ist dunkel. Der Topf ist dunkel. Und unter der Erde ist es am allerdunkelsten.

Fine liegt im Mondlicht im Bett und schläft fast ein
Seite 14

Papa macht das Licht aus. Der Mond schaut aufs Fensterbrett. „Kalle, Kalle, Kürbiskern“, murmelt Fine, „wachsen tun wir beide gern.“ Ihre Augen werden schwer. Ihre Arme werden warm. Ihre Füße schlafen schon.

Im aufgeschnittenen Topf reckt sich Kalle, seine Wurzel reicht tief, ein grüner Bogen wächst nach oben
Seite 15

Fine atmet ganz langsam, ein und aus. Unter der Erde reckt sich Kalle. Er dehnt sich. Er streckt sich. Seine Wurzel wird länger, und oben an ihm wächst ein kleiner grüner Bogen nach oben, dem Mond entgegen.

Fine schläft, im Topf auf dem Fensterbrett guckt ein winziger grüner Keim aus der Erde
Seite 16

Im Zimmer ist es still. Im Topf ist es still. Nur ganz oben guckt etwas Grünes aus der Erde, klein und krumm. Morgen sieht Fine es. Heute Nacht schläft sie. Gute Nacht, ihr zwei.

Ein Tontopf mit einem kleinen grünen Keimling auf dem Fensterbrett im Mondlicht

Ende. Gute Nacht!

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