Gute-Nacht-Geschichte
Ohne Stützräder
- ab 5 Jahren
- ca. 5 Min. vorlesen
- 5 Min. anhören
- 16 Seiten
- Buntstift
Kostenlos und ohne Anmeldung. Das Buch öffnet sich auf dem Schreibtisch – „Vorlesen lassen“ startet die Erzählstimme.
Die Geschichte zum Vorlesen

Heute kommen die Stützräder ab, und Greta findet das gar nicht gut. Papa schraubt: klack, klack. Da steht Flitzer, Gretas rotes Fahrrad, plötzlich auf nur zwei Rädern. Er sieht ganz nackt aus. „Kling“, macht die Klingel. Ganz von allein.

„Ohne Stützräder kippt Flitzer um“, sagt Greta. „Ich halt dich“, sagt Papa. „Hinten am Sattel. Versprochen.“ Greta setzt den grünen Helm auf. Kater Schorsch von nebenan setzt sich auf die Mauer. Er will das sehen.

„Tritt, tritt, Flitzer, flitz!“, ruft Papa. Greta schaut auf das Vorderrad. Das Vorderrad schaut zurück. Es wackelt. Greta wackelt. Wackel, wackel – plumps! Greta liegt in der Hecke. Schorsch gähnt.

Papa klebt ein Pflaster aufs Knie, eins mit Dinos. „Nicht nach unten gucken“, sagt er. „Guck dahin, wo du hinwillst.“ Greta guckt geradeaus, bis ganz hinten zum Gartentor. Da will sie hin.

Diesmal guckt Greta nur zum Tor. Aber sie tritt ganz, ganz langsam. Flitzer schleicht wie eine Schnecke. Er neigt sich nach links … noch mehr … plumps! Mitten in Papas Erdbeeren. „Meine Erdbeeren!“, ruft Papa. Schorsch gähnt noch mal.

Greta isst eine zerdrückte Erdbeere. Sie ist trotzdem süß. „Ein Fahrrad mag es schnell“, sagt Papa. „Wenn es steht, fällt es um. Wenn es rollt, fällt es nicht.“ „Komisch“, sagt Greta. „Ja“, sagt Papa. „Aber es stimmt.“

Also nimmt Greta Schwung. Oben am kleinen Hang im Garten hebt sie die Füße hoch und rollt los, ganz ohne Treten. Huiii! Flitzer saust. Greta saust. Sie fliegt fast! Aber wie bremst man noch mal?

Rums – mitten in Papas Grashaufen! Gras fliegt wie Konfetti. Greta hat Gras im Helm, Papa hat Gras im Bart, und Schorsch hat Gras auf dem Kopf. Jetzt gähnt Schorsch nicht mehr. Jetzt guckt er beleidigt.

Greta setzt sich auf die Stufe vor der Haustür. Ihr Knie brennt, und in ihrem Bauch brennt es auch. Flitzer liegt im Gras. „Ich kann das nie“, sagt sie. „Nie, nie, nie.“ Ihre Augen werden nass.

Papa setzt sich neben sie. Er sagt nichts. Er hält nur ihre Hand. Da macht Flitzer ganz leise: „Kling.“ Greta schaut hinüber, bis zum Gartentor. Dann steht sie auf. „Noch einmal“, sagt sie. „Aber diesmal singen wir. Ganz laut.“

„Tritt, tritt, Flitzer, flitz!“ Greta singt so laut, dass die Spatzen auffliegen. Sie guckt nur zum Tor. Hinter ihr singt Papa mit. Erst laut. Dann leiser. Dann noch leiser. Greta merkt es nicht. Sie singt ja.

Am Gartentor bremst Greta. Quietsch! Sie dreht sich um. Papa steht ganz hinten bei der Mülltonne. „Papa! Du hast ja losgelassen!“ „Schon lange!“, ruft Papa. Und auf der Mauer kippt Schorsch vor Staunen um. Plumps.

Am Abend kommt Flitzer nicht in den Schuppen. Greta schiebt ihn in den Flur, gleich neben ihre Schuhe. Das Dino-Pflaster klebt noch am Knie, wie eine Medaille. „Gute Nacht, Flitzer“, flüstert Greta. „Kling“, macht die Klingel. Ganz von allein.

Papa bringt Greta ins Bett. Er gähnt, und er hinkt ein bisschen. „Ich bin heute so viel gerannt wie in einem ganzen Jahr“, sagt er. Greta kichert. Dann knipst Papa das Licht aus. Nur der Mond schaut noch herein.

Unter der Decke treten Gretas Beine noch ein bisschen. Tritt … tritt … immer langsamer. Im Traum rollt sie den Weg entlang, am Gartentor vorbei, die Straße hinunter, bis ganz zum Meer.

Unten im Flur steht Flitzer im Mondlicht und glänzt. Ganz still. Kein Kling. Kein Plumps. Nur noch ganz leise: Tritt … tritt … Flitzer … flitz. Greta fährt. Ganz weit. Ganz von allein.

Ende. Gute Nacht!