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Opa und Emma sitzen lachend auf dem Sofa und legen beide die Hände flach an die Wange: das Zeichen für Schlafen

Gute-Nacht-Geschichte

Opa hört mit den Augen

  • ab 6 Jahren
  • ca. 5 Min. vorlesen
  • 5 Min. anhören
  • 16 Seiten
  • Aquarell

Emma schläft bei Opa Hinnerk. Abends kommen seine Hörgeräte ins Kästchen, und aus „Hunger“ wird „Hund“, aus dem Butterbrot ein Hut. Schreien, Malen, Krokodil-Spielen, nichts hilft. Bis Opa sagt: „Ich hör dich nicht. Aber ich seh dich.“ Und Emma ein Zeichen aus der Gebärdensprache einfällt.

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Die Geschichte zum Vorlesen

Opa legt am Abend seine zwei Hörgeräte in ein kleines Holzkästchen, Emma schaut zu
Seite 1

Emma schläft heute bei Opa Hinnerk, und Opa hört nicht gut. Darum trägt er hinter jedem Ohr ein kleines Hörgerät. Damit klappt alles prima. Aber am Abend legt Opa die beiden in ein Kästchen. „Feierabend, ihr zwei“, sagt er und klappt es zu.

Opa gießt summend seine Kakteen, Emma hält sich hinter ihm den knurrenden Bauch
Seite 2

Jetzt hört Opa fast gar nichts mehr. Er gießt seine Kakteen und summt. Da knurrt Emmas Bauch. „Opa, ich hab Hunger!“ Opa lächelt freundlich. „Wie bitte, Mäuschen? Du hast einen Hund? Seit wann denn?“ Emma rollt mit den Augen.

Emma schreit mit weit offenem Mund, Opa nickt freundlich und versteht etwas anderes
Seite 3

Emma holt tief Luft. „ICH! HAB! HUNGER!“ Im Schrank klirren die Teetassen. Opa nickt. „Hummer? Nee, Mäuschen, Hummer haben wir nicht.“ Dann zwinkert er. „Und schrei doch nicht so. Ich bin doch nicht schwerhörig.“

Emma stampft mit dem Fuß, Opa spürt es und schaut verwundert nach unten
Seite 4

Emma stampft auf. Das Stampfen hört Opa nicht, aber er spürt es unter den Füßen. „Wie bitte, Mäuschen?“, fragt er. Emma gibt nicht auf. Sie holt Papier und Stifte. Wenn Opa nicht hören kann, dann muss er eben gucken.

Emma hält Opa ihr Bild von einem Käsebrot hin, Opa hält es für einen Hut
Seite 5

Emma malt einen Teller. Darauf ein dickes Butterbrot mit gelbem Käse. Sie hält es Opa vor die Nase. Opa strahlt. „Ein Hut! Was für ein wunderschöner gelber Hut!“ Und schon setzt er sich das Bild auf den Kopf.

Opa tanzt mit dem Bild als Hut auf dem Kopf, Emma verschränkt grimmig die Arme
Seite 6

„Das ist kein Hut!“, ruft Emma. Opa hört es nicht. Er tanzt mit seinem Papierhut durchs Wohnzimmer und summt dazu. Emmas Bauch knurrt lauter. Auch das hört Opa nicht. Wenn Bäuche sprechen könnten, denkt Emma, wäre alles viel einfacher.

Emma spielt Krokodil mit weit offenem Mund, Opa reißt gespielt erschrocken die Hände hoch
Seite 7

Also ohne Worte. Emma reißt den Mund auf, so weit es geht. Sie klappert mit den Zähnen. Sie reibt sich den Bauch. Opa macht große Augen. „Ein Krokodil!“, ruft er. „Hilfe, ein hungriges Krokodil!“

Opa krabbelt als Krokodil hinter Emma her, Emma lacht nicht
Seite 8

Und schon krabbelt Opa auf allen vieren hinter ihr her und schnappt mit den Armen. Schnapp, schnapp! Er lacht, bis seine Brille beschlägt. Aber Emma lacht nicht. Sie hat doch Hunger. Und keiner versteht sie.

Emma sitzt weinend allein auf der untersten Treppenstufe
Seite 9

„Du hörst mir NIE zu!“, schreit Emma. Sie läuft in den Flur und setzt sich auf die unterste Treppenstufe. Ihr Bauch ist leer, und ihre Augen sind voll. Das Schreien hat Opa nicht gehört. Aber die Tränen hat er gesehen.

Opa setzt sich neben Emma auf die Treppe und schaut ihr genau ins Gesicht
Seite 10

Opa setzt sich neben sie, ganz langsam, denn seine Knie knacken. Er schaut Emma an, ganz genau. Ihren Mund. Ihre Hände. Ihre Augen. „Ich hör dich nicht, Mäuschen“, sagt er leise. „Aber ich seh dich.“ Da hat Emma eine Idee.

Emma streicht mit der Hand den Bauch hinunter, das Zeichen für Hunger, Opa staunt
Seite 11

Nesrin aus ihrer Klasse hat eine gehörlose Mama, und Nesrin hat Emma ein Zeichen gezeigt. Emma legt Daumen und Zeigefinger zu einem Kreis, die anderen Finger streckt sie aus. So streicht ihre Hand den Bauch hinunter. Opa starrt. „Hunger?“

Opa bringt zwei riesige Käsebrote, Emma zeigt mit aufgeklappten Händen das Zeichen für Buch
Seite 12

Emma nickt so heftig, dass ihre Zöpfe fliegen. Opa macht das Zeichen nach und schmiert sofort zwei riesige Käsebrote. Emma zeigt ihm noch ein Zeichen: Hände flach aneinander, dann aufklappen. Buch! Opa klappt seine Hände wieder zu. „Und das heißt: Buch zu, ab ins Bett!“

Opa liest Emma im Bett vor, beide schauen sich ins Gesicht
Seite 13

Nach dem Zähneputzen liest Opa vor, langsam und deutlich. Emma schaut auf seinen Mund, und Opa schaut auf ihr Gesicht. Wenn sie kichert, weiß er: Das ist eine lustige Stelle. Wenn sie gähnt, weiß er auch etwas.

Opa und Emma legen die Hände an die Wange: Schlafen
Seite 14

Opa legt das Buch weg. Er legt beide Hände flach aneinander an die Wange und neigt den Kopf. Schlafen. Emma macht es nach. Dann erfindet sie ein eigenes Zeichen: Hand aufs Herz, dann auf Opas Herz. Das heißt: Hab dich lieb.

Opa steht in der Tür mit der Hand auf dem Herzen, Emma macht es im Bett nach
Seite 15

Opa knipst die Lampe aus. An der Tür dreht er sich noch einmal um und legt die Hand aufs Herz. Emma legt ihre Hand auch aufs Herz. Kein Wort. Kein „Wie bitte?“. Diesmal hat Opa alles verstanden.

Emma schläft im Mondlicht, auf dem Nachttisch steht das geschlossene Kästchen
Seite 16

Im Haus ist es jetzt ganz still. Opa hört die Stille nicht. Emma hört sie fast nicht mehr. Im Kästchen schlafen die Hörgeräte. Im Bett schläft Emma. Gute Nacht – ganz ohne Worte.

Ein geschlossenes Holzkästchen und eine Brille auf dem Nachttisch im Mondlicht

Ende. Gute Nacht!

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