Gute-Nacht-Geschichte
Nuss vergisst alles
- ab 5 Jahren
- ca. 5 Min. vorlesen
- 5 Min. anhören
- 16 Seiten
- Bilderbuch
Kostenlos und ohne Anmeldung. Das Buch öffnet sich auf dem Schreibtisch – „Vorlesen lassen“ startet die Erzählstimme.
Die Geschichte zum Vorlesen

Nuss ist ein kleines rotes Eichhörnchen, flink wie der Wind und vergesslich wie ein Sieb. Es ist Herbst. Nuss vergräbt eine Haselnuss im Moos und singt: „Buddel, buddel, klopf, klopf, klopf – die Nuss, die merk ich mir im Kopf!“

Am nächsten Morgen hat Nuss Hunger. Wo war die Haselnuss? Unter dem Moos? Unter dem Farn? Nuss buddelt und findet einen Käfer, einen Stein und einen Tannenzapfen. Oben auf dem Ast lacht Elster Klunker: „Ka-ka-ka! Schon wieder vergessen, Nuss?“

Nuss’ Ohren werden heiß. „Diesmal pass ich auf“, sagt sie. „Ich zähle!“ Von der dicken Eiche drei Sprünge bis zur Birke, dann fünf bis zum großen Stein. „Buddel, buddel, klopf, klopf, klopf – die Nuss, die merk ich mir im Kopf!“

Am Morgen zählt Nuss: drei Sprünge, fünf Sprünge. Aber welche Eiche? Welche Birke? Der Wald ist voller Birken! Nuss buddelt – und eine Maus schaut verschlafen aus ihrem Bett. „Besetzt!“, piepst sie. Klunker kichert: „Ka-ka-ka!“

„Ich brauche ein Zeichen!“, ruft Nuss. Sie vergräbt die nächste Haselnuss und steckt eine lange weiße Feder darüber, wie eine Fahne. Klunker legt den Kopf schief. „Hübsche Feder“, krächzt er. Buddel, buddel, klopf, klopf, klopf …

In der Nacht saust der Herbstwind durch den Wald. Huiii! Am Morgen liegen überall Blätter, rot und gelb und braun. Keine Feder weit und breit. Nur oben in Klunkers Nest steckt eine. „Rein zufällig“, sagt Klunker.

„Dann behalte ich eben alle Nüsse bei mir!“, sagt Nuss. Sie schleppt Haselnüsse in ihren Kobel, hoch oben in der Eiche. Zehn, zwanzig, hundert! Der Kobel wird rund wie ein Ball. Für Nuss ist gar kein Platz mehr.

Nuss stopft noch eine Nuss hinein. Und noch eine. Knirsch – krach! Der Kobel platzt. Plopp, plopp, plopp! Alle Nüsse purzeln hinunter, eine landet auf Klunkers Kopf, und alle kullern davon, den Hang hinab. Weg.

Dann kommt der erste Schnee. Er deckt den Wald zu, ganz weiß und ganz leise. Nuss sitzt auf einem Ast und hat Hunger. Alle Verstecke sind fort. „Ich vergesse einfach alles“, flüstert sie und versteckt das Gesicht in ihrem Schwanz.

Klunker landet neben ihr. Er lacht nicht. Er seufzt. Da kitzelt etwas in Nuss’ Nase. Ganz fein. Ganz nussig. Sie hebt den Kopf. Schnupper, schnupper. „Klunker“, flüstert sie, „mein Kopf hat es vergessen. Aber meine Nase nicht!“

Nuss macht die Augen zu und schnuppert. Hier! Sie buddelt durch den Schnee: eine Haselnuss! Und dort noch eine! „Schnupper, schnupper, klopf, klopf, klopf – die Nase merkt’s, nicht der Kopf!“

Plötzlich schnuppert Nuss etwas ganz anderes. Sie buddelt und zieht eine alte Käserinde aus dem Schnee. „Klunker, ist das deine?“ Klunker wird ein bisschen rot unter den Federn. „Ka … ka … kann sein. Die such ich seit Tagen.“

Am Abend kuschelt sich Nuss zu Oma Zottel in den alten Kobel. „Und die Nüsse, die ich nicht finde?“ Oma gähnt. „Die schlafen im Boden. Im Frühling wachsen kleine Bäume daraus. Unsere Eiche war auch mal eine vergessene Eichel. Meine.“

Nuss lacht leise. „Dann ist der ganze Wald vergessen?“ „Fast der ganze“, sagt Oma. Draußen fällt Schnee. Nuss flüstert: „Gute Nacht, Nuss unter der Birke. Gute Nacht, Nuss unter dem Stein. Gute Nacht, Nuss unter den Blättern.“

Unten im Wald liegt der Schnee wie eine dicke Decke. Darunter schlafen die vergessenen Nüsse, ganz still, ganz klein. Sie warten auf den Frühling. Klunker schläft in seinem Nest, die Käserinde unter dem Flügel.

Und im Kobel? Da liegt Nuss, rund wie eine Haselnuss, den Schwanz als Decke. Ganz leise summt sie noch: „Buddel, buddel, klopf … klopf …“ Dann ist sie still. Schlaf gut, Nuss. Schlaf gut, kleiner Wald.

Ende. Gute Nacht!