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Noah und Mama in hellblauer Krankenhauskleidung sitzen mit einem leuchtenden Glas voller goldener Lichter auf dem Bett

Gute-Nacht-Geschichte

Das Kussglas

  • ab 5 Jahren
  • ca. 5 Min. vorlesen
  • 5 Min. anhören
  • 16 Seiten
  • Ölgemälde

Mama ist Krankenschwester und arbeitet drei Nächte lang. Damit Noah sie nicht so vermisst, gibt sie ihm ein Marmeladenglas mit drei goldenen Küssen. Einer flitzt davon, einer landet auf Noahs Nase, und den letzten schenkt Noah Papa. Dann ist das Glas leer – und Noah hat eine Idee.

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Die Geschichte zum Vorlesen

Mama bindet im Flur die Schuhe zu, Noah steht traurig mit seinem Teddy daneben
Seite 1

Heute Nacht geht Mama wieder arbeiten. Sie ist Krankenschwester, und auch nachts brauchen kranke Leute jemanden, der aufpasst. Noah steht im Schlafanzug im Flur. „Immer, wenn ich schlafe, bist du weg“, sagt er.

Mama küsst in ein Marmeladenglas, darin schweben drei goldene Lichter
Seite 2

Mama holt ein leeres Marmeladenglas. Sie gibt drei Küsse hinein: Mwah! Mwah! Mwah! Dann schraubt sie schnell den Deckel zu. Im Glas glitzern drei kleine goldene Lichter. „Drei Nächte, drei Küsse“, sagt Mama. „Einer für jede Nacht.“

Noah sitzt im Bett und dreht am Deckel des Glases, Papa liest vor
Seite 3

Erste Nacht. Mama ist fort, Papa liest vor. Noah hält das Glas fest. Er will den Kuss sparen. Aber er kann nicht einschlafen. Also dreht er den Deckel, nur ein kleines bisschen …

Ein goldener Kuss saust durchs Zimmer, Papa kniet mit einem Pantoffel neben dem Teddy
Seite 4

Huii! Der Kuss flitzt heraus! Er saust ums Bett, unter den Stuhl, in Papas Pantoffel. „Fang ihn!“, ruft Noah. Papa hechtet. Papa stolpert. Papa landet auf dem Teddy. Und der Kuss landet sanft auf Noahs Wange. Warm.

Noah lugt unter der Bettdecke hervor, ein goldener Kuss hüpft auf seine Nase
Seite 5

Zweite Nacht. Diesmal ist Noah schlau. Er kriecht mit dem Glas unter die Bettdecke. Dann flüstert er: „Deckel auf, ein Kuss heraus – schon ist Mama mit zu Haus.“ Der Kuss hüpft auf seine Nase. Kein Huii. Kein Hechten.

Noah schläft, Papa schaut von der Tür auf das Glas mit dem letzten Kuss
Seite 6

Unter der Decke ist es warm wie in einer Höhle. Der Kuss leuchtet golden. Noah schläft ein, bevor Papa „Gute Nacht“ sagen kann. Papa steht in der Tür und schaut auf das Glas. Nur noch ein Kuss.

Papa sitzt müde auf dem Sofa und hält Mamas rote Strickjacke
Seite 7

Dritte Nacht. Papa ist heute komisch. Die Nudeln sind verbrannt, und beim Vorlesen gähnt er dreimal mitten im Satz. Dann setzt er sich auf Mamas Seite vom Sofa und hält ihre Strickjacke fest.

Noah pustet seinen letzten Kuss auf Papas roten Bart
Seite 8

„Papa“, fragt Noah, „vermisst du Mama auch?“ Papa nickt. Ein bisschen sehr. Noah schaut auf das Glas. Ein Kuss ist noch drin. Sein letzter. Er dreht den Deckel auf und pustet ihn hinüber, mitten auf Papas Bart.

Noah liegt wach im dunklen Zimmer und hält das leere Glas
Seite 9

Papas Bart leuchtet. Papa lächelt, zum ersten Mal heute. Aber dann liegt Noah im Bett, und das Glas ist leer. Ganz leer. Kein Licht. Kein Kuss. Und Mama kommt erst morgen früh.

Noah sitzt im Mondlicht auf und schaut zum fernen Krankenhaus
Seite 10

Noah dreht das leere Glas in den Händen. Mama ist jetzt im Krankenhaus. Sie läuft durch lange Flure und passt auf alle auf. „Und wer gibt Mama einen Kuss?“, fragt Noah leise. Dann setzt er sich auf.

Noah küsst in das Glas, Papa beugt sich lächelnd vor
Seite 11

„Papa! Ich hab eine Idee!“ Noah hält das Glas an den Mund. Mwah! Ein kleines goldenes Licht. Mwah! Noch eins. „Für Mama“, sagt Noah. „Für morgen früh.“ Papa beugt sich vor. „Darf ich auch?“

Noah und Papa kichern, im Glas leuchtet ein stacheliger Kuss
Seite 12

„Aber nicht mit Bart“, sagt Noah. „Der kratzt die Küsse kaputt.“ Papa gibt einen ganz vorsichtigen Kuss. Er ist ein bisschen stachelig. Noah kichert. Papa kichert. Im Glas kichert auch etwas.

Noah gähnt müde über dem Glas voller goldener Küsse
Seite 13

Dann füllt Noah das Glas weiter. Einen Kuss für Mamas Heimweg. Einen für ihre müden Füße. Einen für … für … Noah gähnt. Mwah. Die Küsse werden immer langsamer und immer leiser.

Noah stellt das leuchtende Glas in der Küche neben Mamas Tasse
Seite 14

Noah tapst mit dem Glas in die Küche und stellt es neben Mamas Tasse. Es leuchtet wie eine kleine Lampe. „Gute Nacht, Küsse“, flüstert er. Papa trägt ihn ins Bett und knipst das Licht aus.

Das Glas leuchtet nachts allein in der stillen Küche, draußen steht der Mond
Seite 15

Jetzt ist es ganz still im Haus. Noah schläft. Papa schläft. In der dunklen Küche leuchtet das Glas, ganz sanft, und wartet. Draußen zieht der Mond langsam über die Dächer.

Mama liegt im Morgengrauen neben dem schlafenden Noah, goldene Küsse schweben auf ihre Wange
Seite 16

Ganz früh, noch im Dunkeln, dreht sich leise ein Schlüssel. Mama ist da. Deckel auf, ein Kuss heraus – jetzt ist Mama ganz zu Haus. Sie kuschelt sich zu Noah. Ganz warm. Gute Nacht, Mama.

Ein Marmeladenglas voller goldener Lichter auf einem Fensterbrett bei Nacht

Ende. Gute Nacht!

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