Gute-Nacht-Geschichte
Ein Zimmer für zwei
- ab 6 Jahren
- ca. 5 Min. vorlesen
- 6 Min. anhören
- 16 Seiten
- Anime
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Die Geschichte zum Vorlesen

Ab heute schläft Bilal in Yusufs Zimmer. Bilal hat sich das gewünscht. Yusuf nicht. Mama schiebt das kleine Bett an die Wand gegenüber, und Bilal hüpft sofort darauf herum. „Unser Zimmer!“, jubelt er. „MEIN Zimmer“, brummt Yusuf.

Bilal bringt alles mit: sein Kissen, seinen Schnuller für Notfälle und einen ganzen Wäschekorb voller Kuscheltiere. Er setzt sie in einer langen Reihe auf – Yusufs Bett. „Das ist MEIN Zimmer!“, ruft Yusuf. „UNSER Zimmer!“, ruft Bilal.

Dann ist Schlafenszeit. Yusuf knipst das große Licht aus. Klick. Er mag es dunkel. Bilal knipst es wieder an. Klack. Er mag es hell. Klick. Klack. Klick. Klack. „Das ist MEIN Zimmer!“ „UNSER Zimmer!“

„Jungs!“, ruft Mama aus dem Flur. „Das Licht ist doch keine Disko!“ Sie kommt herein und schaut die beiden an. „Wie wär’s mit einem Kompromiss? Jeder bekommt ein bisschen.“ „Kompott?“, fragt Bilal. „Mit Kirschen?“

Mama lässt die kleine Leselampe an und geht. Jetzt ist die Tür dran. Bilal will sie offen. Weit offen. Yusuf will sie zu. Ganz zu. Quiiietsch – auf. Rumms – zu. Quiiietsch – auf. Rumms – zu.

Draußen im Flur sitzt Kater Simsim und guckt. Auf, zu, auf, zu. Er will hinein. Nein, hinaus. Er weiß es selbst nicht. Schließlich spaziert er ins Zimmer und legt sich mitten auf den Teppich. „Nicht mal der Kater hält sich an Regeln“, stöhnt Yusuf.

Jetzt hat Yusuf genug. Er holt das blaue Klebeband aus seiner Bastelkiste. Ritsch! Quer durchs ganze Zimmer klebt er einen langen Streifen. „Das ist die Grenze“, sagt er. „Hier ist meins. Da ist deins.“

Bilal schaut auf den Streifen. Dann stellt er einen Fuß darüber. Nur einen Zeh. Dann sein Plüschnilpferd. Dann rollt sein Ball hinüber. Und mitten auf der Grenze liegt Simsim und schnurrt, halb auf Yusufs Seite und halb auf Bilals.

„Raus aus meiner Hälfte!“, schimpft Yusuf und knipst die Leselampe aus. Jetzt ist es stockdunkel. Er dreht sich zur Wand. So. Endlich Ruhe. Aber dann hört er etwas von drüben. Ganz leise. Ein Schniefen.

„Yusuf?“, flüstert Bilal. „Ich hab Angst im Dunkeln. Und das Zimmer ist so groß. Mein altes Zimmer war klein.“ Yusuf liegt ganz still. Er weiß noch genau, wie sich das anfühlt. Er war auch mal drei.

Yusuf steht auf. Er holt sein Sternenlicht vom Regal. Das hat er noch nie verliehen. Er stellt es genau auf die Grenze und knipst es an. Langsam wandern Sterne über die Decke, über Yusufs Hälfte und über Bilals.

Dann schiebt er die Tür auf. Nicht weit. Nur einen Kater breit. Simsim legt sich sofort in den Spalt. „Ein bisschen Licht und ein bisschen Tür“, sagt Yusuf. „Das ist ein Kompromiss.“ „Kompott“, sagt Bilal glücklich.

„Erzählst du mir was?“, fragt Bilal. Yusuf überlegt. Dann erzählt er von zwei Brüdern, die mit einer Rakete zum Mond fliegen. Der Große steuert. Der Kleine hält die Kekse. Bilal kichert und kuschelt sich tief ins Kissen.

Die Sterne wandern langsamer. Yusufs Stimme wird leiser. Die Brüder landen auf dem Mond und legen sich in einen weichen Krater. „Und dann?“, murmelt Bilal. „Dann schlafen sie“, flüstert Yusuf. Mama schaut durch den Spalt und lächelt.

Bilal schläft. Sein Plüschnilpferd liegt auf der Grenze. Im Sternenlicht sieht der blaue Streifen gar nicht mehr aus wie eine Grenze. Eher wie eine Straße. Eine kleine Straße von einem Bett zum anderen.

Simsim schnurrt leise im Türspalt. Die Sterne wandern über die Decke. „Mein Zimmer“, flüstert Yusuf, schon halb im Traum. Dann lächelt er. „Unser Zimmer.“ Und dann ist es still. Gute Nacht, ihr zwei.

Ende. Gute Nacht!