Gute-Nacht-Geschichte
Juna und das Licht gegenüber
- ab 6 Jahren
- ca. 3 Min. vorlesen
- 4 Min. anhören
- 8 Seiten
- Buntstift
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Die Geschichte zum Vorlesen

Juna war umgezogen. Ihr neues Zimmer roch nach frischer Farbe und nach Kartons. Das Bett stand an der falschen Wand, und das Fenster zeigte auf einen fremden Hinterhof mit einem großen Kastanienbaum. „Hier ist alles anders“, flüsterte Juna in ihr Kissen. Sie vermisste ihr altes Zimmer. Sie vermisste sogar das Quietschen der alten Tür.

Am Abend konnte sie nicht einschlafen. Die Heizung gluckerte. Ein Auto brummte vorbei. Irgendwo bellte ein Hund, ganz weit weg. Juna stand auf und ging ans Fenster. Gegenüber, auf der anderen Seite des Hofes, waren fast alle Fenster dunkel. Nur in einem einzigen leuchtete etwas Kleines. Ein Licht. Und es blinkte.

Blink. Blink. Juna hielt den Atem an. Dann holte sie ihre große Taschenlampe aus dem Karton mit dem dicken Stern – dem Karton für wichtige Sachen. Sie zielte auf das Fenster gegenüber und drückte den Knopf. Blink. Blink. Einen Moment war es still. Dann kam die Antwort: Blink. Blink. Blink. Juna musste grinsen. Da drüben war jemand, der auch noch wach war.

So ging es eine ganze Weile hin und her. Einmal blinken. Zweimal blinken. Ganz lange leuchten. Dann malte das Licht gegenüber einen Kreis in die Luft. Juna malte einen Kreis zurück. Dann eine Welle. Dann ein Herz, das ein bisschen schief geriet. Gegenüber flackerte es wild, als würde jemand lachen.

Am nächsten Morgen ging Juna mit Mama in den Hof. Unter dem Kastanienbaum saß ein Junge mit roten Haaren, die in alle Richtungen abstanden, und mit einer runden Brille. Neben ihm lag eine Taschenlampe. Juna blieb stehen. Der Junge blieb sitzen. Dann hob Juna langsam ihre Hand und machte: auf, zu, auf, zu. Wie ein Blinken.

Der Junge riss die Augen auf. „Du bist das Licht!“, rief er. „Ich bin Emil. Ich wohne im dritten Stock. Ich bin auch neu hier, aber schon seit Ostern.“ Den ganzen Tag spielten sie unter dem Kastanienbaum. Sie sammelten die glattesten Kastanien. Und sie erfanden eine Geheimsprache: Einmal blinken heißt Hallo. Zweimal heißt Gute Nacht. Dreimal heißt: Ich bin da.

Am Abend lag Juna in ihrem neuen Bett. Die Heizung gluckerte, aber das klang jetzt fast wie ein Lied. Juna nahm ihre Taschenlampe und leuchtete aus dem Fenster. Blink. Hallo. Gegenüber antwortete sofort ein kleines Licht. Blink. Dann Blink, Blink. Gute Nacht. Und ganz zum Schluss: Blink, Blink, Blink. Ich bin da.

Juna legte die Taschenlampe unter ihr Kissen und kuschelte sich in die Decke. Das Zimmer roch immer noch ein bisschen nach Farbe. Aber auf der anderen Seite des Hofes war jemand, der wusste, dass sie hier war. Und das war das schönste Licht von allen. Blink. Gute Nacht, Juna.

Ende. Gute Nacht!