Gute-Nacht-Geschichte
Der Mond bringt Grüße
- ab 5 Jahren
- ca. 3 Min. vorlesen
- 3 Min. anhören
- 8 Seiten
- Aquarell
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Die Geschichte zum Vorlesen

Malik hat einen Papa, der auf einem großen Schiff arbeitet. Das Schiff fährt über das Meer, weit, weit weg, und bringt Bananen und Bücher und Fahrräder in andere Länder. Manchmal ist Papa viele Wochen fort. Dann ist Maliks Bett abends ganz besonders groß und ganz besonders leer.

Bevor Papa losfuhr, hatte er Malik ans Fenster geholt. „Siehst du den Mond?“, hatte er gefragt. „Den sehe ich auch, wo immer ich bin. Wenn du ihm abends etwas erzählst, dann trägt er es zu mir. Und meine Grüße bringt er dir.“ Malik hatte genickt. Das war ein guter Plan.

Jetzt stellt sich Malik jeden Abend ans Fenster. „Hallo, Mond“, flüstert er. „Sag Papa, dass ich heute ohne Stützräder gefahren bin. Fast ohne.“ Der Mond hört genau zu. Dann schiebt er sich langsam über die Dächer, Richtung Meer.

Weit draußen auf dem Meer steht Papa an Deck. Der Wind ist warm, und die Wellen schaukeln das Schiff. Da kommt der Mond. Papa lächelt, als hätte ihm jemand etwas ins Ohr geflüstert. „Ohne Stützräder!“, sagt er leise. „Mein großer Malik.“

Und dann schickt Papa seine Grüße zurück. Der Mond nimmt sie mit über das Meer, über Berge und Dächer, bis zu Maliks Fenster. Dort legt er sie aufs Kopfkissen: einen hellen, silbernen Streifen Licht. Malik legt seine Wange hinein. Es fühlt sich fast an wie Papas Hand.

Aber eines Abends ist der Himmel voller Wolken. Kein Mond. Nirgends. Malik drückt die Nase an die Scheibe. „Mama, wie bekommt Papa jetzt meine Grüße?“ Mama setzt sich zu ihm. „Der Mond ist trotzdem da“, sagt sie. „Hinter den Wolken. So wie Papa: Auch wenn wir ihn nicht sehen, ist er da.“

Also erzählt Malik den Wolken alles. Von der Kastanie, die er gefunden hat. Vom Zahn, der wackelt. Und dass er Papa lieb hat, so groß wie das Meer. Und weißt du was? Die Wolken tragen alles weiter. Und hinter ihnen hört der Mond zu.

Ein paar Wochen später klingelt es an der Tür. Da steht Papa, mit Seesack und Bart und einem riesengroßen Lachen. Am Abend schauen sie zusammen aus dem Fenster. „Danke, Mond“, sagt Malik. „Fürs Tragen.“ Dann schläft er ein, ganz dicht an Papa. Diesmal ist das Bett genau richtig groß.

Ende. Gute Nacht!