Angst im Dunkeln: Gute-Nacht-Geschichten, die Mut machen
Das Licht geht aus, und plötzlich ist alles anders. Der Bademantel an der Tür sieht aus wie eine Gestalt, unter dem Bett könnte etwas wohnen, und das Knacken im Flur klingt viel lauter als am Tag. Viele Kinder kennen das, besonders im Kindergartenalter, wenn die Fantasie groß wird.
Für viele Kinder gehört diese Angst zum Großwerden dazu, und meistens wird sie mit der Zeit kleiner. Bis dahin können ein paar Dinge den Abend leichter machen – und die richtige Geschichte.
Was abends helfen kann
Ernst nehmen statt ausreden. „Hier gibt es keine Monster“ beruhigt Kinder seltener, als man hofft. Besser wirkt oft: „Du hast Angst, das verstehe ich. Ich bin nebenan, und ich schaue nachher noch einmal nach dir.“
Licht, das euer Kind selbst steuert. Ein kleines Nachtlicht, die Tür einen Spalt offen oder eine Taschenlampe am Bett: Wer selbst Licht machen kann, fühlt sich dem Dunkeln weniger ausgeliefert.
Das Zimmer bei Licht erkunden. Was wirft da eigentlich den Schatten? Ah, der Mantel am Haken. Mit einer Taschenlampe und den Händen lassen sich außerdem Schattentiere an die Wand zaubern – ein Hase, ein Vogel, ein Krokodil. Was man selbst gemacht hat, ist weniger unheimlich.
Jeden Abend dieselbe Reihenfolge. Zähneputzen, Schlafanzug, Geschichte, Licht aus: Ein vertrautes Ritual gibt Halt, gerade wenn die Nacht unheimlich wirkt.
Vor dem Schlafen nichts Aufregendes. Spannende Filme oder gruselige Bilder kurz vor dem Zubettgehen begleiten Kinder oft bis ins Bett. Eine ruhige Geschichte ist der bessere Abschluss.
Ein Wächter für die Nacht. Das Lieblingskuscheltier bekommt eine wichtige Aufgabe: Es passt auf, solange euer Kind schläft. Manche Kinder halten auch gern etwas in der Hand – einen glatten Stein, ein Tuch, das nach Mama riecht.
Warum Geschichten Mut machen
In einer Geschichte kann ein Kind zusehen, wie jemand anderes Angst hat – und wie er einen Weg findet. Das passiert aus sicherer Entfernung, auf dem Schoß oder unter der eigenen Decke. Und oft nimmt das Kind etwas mit: eine Idee, einen Satz, ein Bild für die eigene Nacht.
Diese Gute-Nacht-Geschichten aus unserer Bücherei eignen sich dafür besonders:
„Tildas Schatten hat Angst im Dunkeln“ (ab 5 Jahren): Hier hat nicht Tilda Angst, sondern ihr Schatten. Also zeigt sie ihm die Nacht – mit Taschenlampe und Schattenhasen, Mondlicht und Glühwürmchen. „Die Nacht ist nicht leer. Sie ist nur leise.“ Schön für Kinder, die ihre Angst nicht gern zugeben: Sie dürfen den Schatten trösten.
„Juna und das Licht gegenüber“ (ab 6 Jahren): In der ersten Nacht nach dem Umzug ist alles fremd, bis gegenüber im Hof ein kleines Licht blinkt. Juna blinkt zurück, und daraus wird eine Geheimsprache: einmal blinken heißt Hallo, zweimal Gute Nacht, dreimal „Ich bin da“. Die lässt sich zu Hause mit einer Taschenlampe gleich nachspielen.
„Oskar sagt Gute Nacht“ (ab 3 Jahren): Für die Kleinsten. Der kleine Fuchs Oskar sagt allen Tieren Gute Nacht – der Eule, die gerade erst aufsteht, den Glühwürmchen, die ihm den Heimweg leuchten, und zuletzt dem Mond, der auf ihn aufpasst. Die Nacht ist hier voller freundlicher Nachbarn.
Alle drei könnt ihr hier selbst vorlesen oder euch in der 3D-Bücherei vorlesen lassen, kostenlos und ohne Anmeldung. Weitere ruhige Geschichten findet ihr unter Einschlafgeschichten.
Eine Mutmach-Geschichte mit eurem Kind
Manchmal hilft es, wenn das eigene Kind selbst der Held ist: das Kind, das der Nacht Hallo sagt, mit dem Kuscheltier als Nachtwächter an seiner Seite. So eine Geschichte könnt ihr in der 3D-Bücherei als persönliches Gute-Nacht-Buch gestalten – mit einem Foto eures Kindes als gemalter Figur und dem Thema „Mut“.
Wann ihr euch Rat holen solltet
Wenn die Angst über Wochen sehr groß ist, euer Kind kaum noch einschlafen kann oder sie auch tagsüber stark belastet, sprecht mit eurer Kinderarztpraxis. Geschichten ersetzen keine Hilfe, wenn sie gebraucht wird – aber sie können den Abend ein bisschen heller machen.